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Industrie drängt auf größere Rolle für E-Fuels und Biotreibstoff in EU

30.03.2022

(Foto: Ivan-Balvan/iStock)

Die Klimaschutz-Gesetzesvorschläge der EU-Kommission schränken die Möglichkeiten zu stark ein, Verkehr durch synthetische und Biokraftstoffe nachhaltiger zu machen, meinen rund 170 in der E-Fuel Alliance zusammengeschlossene Unternehmen. Viele davon kommen aus der Treibstoff-, Energie- und Kraftfahrzeugbranche. Monika Griefahn, Sprecherin der E-Fuel Alliance, warb beim Clean Energy Summit in Brüssel etwa dafür, dass Kfz-Hersteller über ein freiwilliges System „Kredite“ zur CO₂-Minderung bei Kraftstoffproduzenten kaufen dürfen, um die geplanten CO₂-Flottengrenzwerte der EU zu erreichen.

Unterstützung dafür bekam sie von Jens Gieseke (CDU), dem verkehrspolitischen Sprecher der CDU/CSU im Europäischen Parlament. Die Gesetzesvorschläge des Pakets „Fit for 55“ setzten zu stark auf Elektromobilität, etwa durch ein faktisches Verbot von Verbrennungsmotoren in Vans und Pkw ab 2035. „Wir brauchen mehr Flexibilität“, forderte Gieseke. Die Klimabilanz von Elektrofahrzeugen werde über deren gesamten Lebenszyklus von Herstellung bis Entsorgung hinweg in den EU-Plänen nicht vollständig berücksichtigt.

Michele Ziosi, Vizepräsident für Nachhaltigkeit beim Lkw-Hersteller Iveco – ebenfalls Mitglied der E-Fuel Alliance –, forderte die EU-Kommission auf, Biokraftstoffen eine wichtige Klimaschutz-Rolle zu ermöglichen, wenn sie auch für Lkw neue CO₂-Grenzwerte vorschlägt. „Wir sind gegen die Dämonisierung des Verbrennungsmotors“, sagte Ziosi. „Es kommt darauf an, was man darin verbrennt“.

Lösung für existierende Fahrzeuge gesucht

Griefahn sagte in der Diskussion, Biokraftstoffe und Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs – Wasserstoff, E-Fuels, synthetische Kraftstoffe – böten mehr Chancen beim Klimaschutz im Straßenverkehr als nur auf Elektrifizierung zu setzen. „Wir werden unsere Klimaschutzziele nicht erreichen ohne Lösungen für die bereits existierenden Fahrzeuge“, sagte sie. E-Fuels seien auch deshalb eine gute Alternative, weil sie sich in Gegenden mit guten Bedingungen – etwa mit viel sauberer Wasserkraft wie in Norwegen oder Schweden – herstellen und dann einfacher per Schiff oder Pipeline transportieren ließen als etwa Wasserstoff.

EU-Verkehrskommissarin Adina Valean hatte beim Clean Energy Summit zuvor eingeräumt, dass es im Verkehr enormen Bedarf an Ökostrom und anderen nachhaltigen Treibstoffen gebe und dass Elektrifizierung nicht für die gesamte Transportwirtschaft die Lösung sei. „Wir sollten nicht alles auf eine Karte setzen und auf neue technische Entwicklungen achten“, sagte Valean. Sie betonte aber die wichtige Rolle der Elektrifizierung und sprach vor allem über Wasserstoff als Alternative. Ihr Kabinettschef Walter Götz betonte, in den Vorschlägen der Kommission für eine Verordnung über die Infrastruktur für alternative Treibstoffe (AFIR) werde keine Technologie ausgeschlossen. Dort gebe es etwa auch Raum für Flüssigerdgas (LNG).

Kritik an Erneuerbaren- und Energiesteuerrichtlinie

Griefahn sagte, wenn die Industrie von der Technologieoffenheit der Regulierer überzeugt wäre, hätte sich die E-Fuel Alliance nicht gegründet. Sie forderte, in der Richtlinie über erneuerbare Energien ambitioniertere Ziele für die Treibhausgasreduktion im Verkehr durch alternative Treibstoffe festzulegen als vorgeschlagen und höhere Anteile für nicht biogene Kraftstoffe vorzugeben. Auch der Vorschlag der Energiesteuerrichtlinie müsse geändert werden. Dort würden E-Fuels genauso behandelt wie fossile Treibstoffe. Der Markt für E-Fuels könne sich zudem besser entwickeln, wenn diese nicht nur in Schiffs- und Flugverkehr, sondern auch im Straßenverkehr eingesetzt würden.

Götz hielt sich zu den Forderungen der E-Fuel Alliance bedeckt. Die Kommission habe ihre Vorschläge vorgelegt, jetzt sei es Sache von Europäischem Parlament und Mitgliedstaaten, darüber zu entscheiden, sagte er. Die Forderung des Europaabgeordneten Gieseke, die Kommission müsse wegen des Ukraine-Krieges die Auswirkungen der geplanten Klimaschutzgesetze neu analysieren, lehnte Götz ab. Das würde etwa ein Jahr Zeit kosten und keinen großen Mehrwert bringen, sagte er. Der Krieg habe natürlich erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. Diese könnten EP und Ministerrat aber bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Es sei wichtig, das Klimaschutzpaket möglichst rasch zu beschließen, sagte Götz.

Quelle: https://www.dvz.de/rubriken/politik/detail/news/industrie-draengt-auf-groessere-rolle-fuer-e-fuels-und-biotreibstoff-in-eu.html

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